Weltoffenheit ja - aber nicht mit Globus

Globus sei Dank

Was haben wir Erdinger doch für ein Riesenglück. Nicht nur, dass Profi-Investor und Immobilien-Mogul Robert Hübner sein Geld in der wunderschönen Herzogstadt stetig mehrt – nein, er hat es auch noch geschafft, das Augenmerk des SB-Warenhaus-Riesen Globus auf die Kreisstadt zu lenken. Und das ist, glaubt man dem Mühldorfer Bürgermeister Günther Knoblauch, ein wahrer Segen. Denn in Mühldorf hat sich, seit Globus sich dort vor rund zehn Jahren etabliert hat, alles zum Guten gewendet. Aus einem verschlafenen Nest ist eine prosperierende Kleinstadt geworden. Von der Unterhose über den Rechtsanwalt bis zum Kulturangebot ist seither alles bestens bestellt.

Dieses Heil würde Globus auch den Erdingern spenden, wenn, ja wenn da nicht die Einzelhändler wären, die lediglich ihre Pfründe erhalten wollen und nur auf den eigenen Geldbeutel schauen. Deswegen wollen sie den Bürgern aus Stadt und Land glatt vermiesen, dass sie in Erding zu den bestehenden acht Lebensmittelmärkten in einem Radius von zwei, drei Kilometern noch einen neunten bekommen. Und der böte auf  6500 Quadratmetern alles unter einem Dach – von der Ananas bis zum Ziegenkäse, vom Arbeitsoverall bis zur Zuckerdose. Daneben gibt es noch jede Menge Veranstaltungen. Globus ist der Treffpunkt für Babys, Kinder, Eltern und Senioren – für jeden hält man das passende Angebot parat. Eine ganz neue Konzeption, bisher nie da gewesen und gesehen. Denn die Erdinger Einzelhändler haben ja keine Ahnung, was Service, Kundenfreundlichkeit und vor allem Angebot betrifft. Da braucht es schon einen Globus, der sie endlich wachrüttelt, wie er es eben in Mühldorf getan hat.

 

Nun ist die Situation in Erding freilich eine andere als in Mühldorf. Erding hat sich aus eigener Kraft heraus und vor allem durch das Engagement der Einzelhändler in den vergangenen 20 Jahren zu einer prächtigen Stadt entwickelt, die oftmals neidvoll beäugt wird. Selbst die Freisinger! (alteingesessene Erdinger wissen um die eher kühle Beziehung zwischen den Nachbarstädten) haben als drittliebste Einkaufsstadt nach München und Landshut Erding genannt. Ganz ohne Globus. Nun will uns Robert Hübner weismachen, dass der SB-Warenhausriese und dazu das Nobellabel Käfer die Kreisstadt noch weit attraktiver machen würden. Globus-Geschäftsführer Franz Schmitt erhofft sich 40 bis 50 Millionen Euro Umsatz pro Jahr, weil ja die Kunden aus einem Umkreis von 60 Kilometern kommen.

Innenstadtrelevant ist das Sortiment nicht. Nein, man will ja im Gegenteil mit den Geschäftsleuten im Zentrum an einem Strang ziehen, ihnen zusätzliche Kaufkraft schenken und sie gnädigerweise sogar im hauseigenen Flyer mit inserieren lassen – was eine Werbewirksamkeit. Geht es um die Bewältigung des zusätzlichen Verkehrs im ohnehin schon höchst überlasteten Erding halten sich die Verantwortlichen eher bedeckt. Vielmehr schwärmen sie in den höchsten Tönen vom Einkaufsparadies, von ihrem eigenen sozialen Engagement und Robert Hübner erzählt sogar, dass ein Erdinger Sporthaus-Inhaber „dessen Namen Sie alle kennen“ zu ihm ins Boot steigen will. Soviel ist sicher: Dieter Gerlspeck ist es nicht. Jetzt erhebt sich die Frage, wo haben wir in Erding noch ein namhaftes Sportfachgeschäft? Auch versichert er treuherzig, dass er wirklich alles versucht hat, um einen Möbler oder andere Branchen für den Standort zu interessieren. Aber die wollten alle nicht.

Ná ja, das ist ja alles nicht so wichtig, man darf das nur nicht so eng sehen. Auch wenn man mehr oder minder versteckt damit droht, notfalls einen Bürgerentscheid anzustrengen und dann sofort zurückrudert, wenn Bürgermeister Max Gotz das Kind beim Namen nennt, gehört das lediglich zur Taktik und behindert nicht einen respektvollen Umgang miteinander. Eifrige Clacqueure spenden an den richtigen Stellen Beifall und melden sich zu Wort, um Lobeshymnen anzustimmen. Manchmal mutet das fast peinlich an. Aber was tut man nicht alles, um den tumben Erdinger zu überzeugen.

Dessen Interesse freilich ist eher verhalten. Zieht man von den rund 120 Zuhörern die Stadträte, öffentlichen Amtsinhaber und Globus-Lobbyisten ab, so bleibt noch ein Häufchen von maximal 50 Besuchern übrig, die sich eingefunden haben, weil sie eine der 17.000 Einladungen erhalten haben, die zur Werbung für die Veranstaltung verteilt wurden. Ob diese kleine Gruppe ausreicht, um das Erdinger Stadtzentrum auf das Gelände zwischen Sigwolfstraße und Aufkirchen zu verschieben? Denn eigentlich sollten Weihnachtsmarkt oder Eiszeit oder Altstadtfest dann schon beim Globus stattfinden. Allerdings sind die Fassaden dort eher schmucklos und nicht so malerisch wie in der Innenstadt. Deswegen versuchen wir’s doch. Als Erdinger Turmschieber sind wir ja schon in die Historie eingegangen. Vielleicht hat diese Legende Robert Hübner bewogen, gerade diese Stadt auszuwählen. Denn er traut den Erdingern bestimmt zu, dass sie auch das gesamte Herz der Altstadt verschieben können und die Innenstadt ausbluten lassen. Aber vielleicht hat er die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn ganz so einfältig sind weder Bürger noch Geschäftsleute, dass sie nicht kapieren würden, was wirklich dahinter steckt: Hübner hat viel Geld investiert und will daraus endlich Kapital schlagen, wie es ihm bei dem Areal um OBI, Mediamarkt und Norma gelungen ist. Und da muss ein Investor her, koste es was es wolle. Selbst wenn man die angeblich über Generationen hinweg gepflegte Freundschaft mit der Familie Käfer ein wenig strapazieren muss – was soll’s. Der Zweck heiligt die Mittel und diese, zumindest die finanziellen, will Hübner aus dem Gelände generieren.

Das sei ihm unbenommen. Wir halten es da mit Bürgermeister Max Gotz. Auch unsere Tür steht immer offen. Denn Robert Hübner hat sicherlich viel dafür getan, dass der Erding West Park sich so entwickelt hat, wie er jetzt dasteht. Wenn wir miteinander reden, wird sich auch für das restliche Areal eine Lösung finden lassen. Gewerbeansiedlungen stehen wir durchaus offen gegenüber. Aber nur gemeinsam lässt sich entwickeln, was der Innenstadt nicht schadet und dem Gewerbegebiet gut zu Gesicht steht – ein Globus ist es bei aller Weltoffenheit nicht.